Maria Graf
SPANIEN – ESPAÑA
Reinhold Georg Müller verbrachte einige Zeit mehr als die Hälfte des Jahres in seiner „zweiten Heimat“, einem kleinen Dorf in der Nähe von Madrid. Dieser Ort bot ihm mehr „Bewegungsfreiheit“ und Unabhängigkeit für seine Arbeit, als Stuttgart.
Das Dorf liegt in einer rauhen, bergigen Landschaft und ist umrahmt von großen Pinienhainen, die ihm seinen Namen gaben. Eine sehr archaische und karge Gegend, deren Reizen der Bildhauer erlegen ist.
Seine Liebe zu diesem Ort wuchs von Jahr zu Jahr.
Die Natur in dieser Gegend wird von großen grauen Granitsteinen geprägt, die so aussehen, als hätte sie ein Riese spielerisch über den Boden verteilt. Oft türmen sich meterhohe, bizarr aussehende Gebilde aus Granit auf, die die Phantasie des Betrachters herausfordern. Aber nicht nur die Augen und die Phantasie werden durch die Natur in dieser Gegend gefordert, auch der Geruch spielt eine wichtige Rolle: Der Duft der Zistrosen, vermischt mit dem Geruch des Pinienharzes fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein…
Pablo Serrano
grido de vida – schrei nach leben
Seit seinem ersten Spanienaufenthalt vor mehr als drei Jahrzehnten lässt Reinhold Georg Müller seine Kunst zum Ausdruck von Freiheit werden. In seinem Atelier experimentiert er mit Materialien, verleiht seinen Skulpturen einen heiteren Zug und –nicht weniger wichtig– tut dies mit professioneller Hingabe.
Auf seinem Weg zu einer gereiften Künstlerpersönlichkeit verwendete er die verschiedensten Materialien und setzte sich unablässig künstlerisch mit ihnen auseinander. Seine Skulpturen vermitteln den Eindruck von Stärke, die Reinhold Georg Müller auch als Mensch verkörpert, die sich bei ihm jedoch mehr in hoher Sensibilität äußert, wenn er von bestimmten Worten oder Ausdrucksformen überwältigt wird. Er spielt und modelliert den Stein ganz nach Belieben, wobei es ihm gelingt über dieses doch widerspenstige Material Lebendigkeit zu vermitteln und das ihn immer wieder herausfordert, die Stellen zu suchen, die gequetscht oder gekürzt werden können. Er quetscht und faltet den Stein und scheint aus ihm den letzten Tropfen Leben zu drücken…
Werner Meyer
Das bildhauerische Werk von Reinhold Georg Müller
Reinhold Georg Müller begann mit fünfzehn Jahren eine Holzbildhauerlehre an der Luisenschule in München, die ihm weniger die Möglichkeit freier Gestaltung eröffnete, als vielmehr solides handwerkliches Geschick in der Bearbeitung von Holz, im Gipsgießen, im Modellieren und zeichnerischem Erfassen von Formen und das Gefühl für Material. Als Achtzehnjähriger verließ er diese Schule und München – „heraus aus der Enge des ‘Bajuwarischen Barock’“, wie er dies damals empfand.
An der Städelschule in Frankfurt am Main, begann er 1955 sein Studium der Bildhauerei in der Klasse von Hans Mettel. Ein 1956 in Bronze gegossener Frauenakt, spricht für seine ersten künstlerischen Schritte bei Hans Mettel eine deutliche Sprache …